Fahrt zu den Victoria Falls (Simbabwe) und Heimflug von Sambia

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Freitag, 04.11.05 — Sonntag, 06.11.05

Es war nur eine relativ kurze Strecke von 80 Kilometer, die wir nach dem 7 Uhr-Frühstück zwischen dem Chobe Nationalpark in Botsuana und den Victoria Fällen in Simbabwe vor uns hatten. Wieder wurde eine Liste mit Name, Passnummer und Reise-Versicherungsnummer für die Grenze vorbereitet. Die Abfertigung in Botsuana ging flott, wir mussten zu Fuß das kurze Stück bis Simbabwe gehen, wo jeder seinen Pass mit 30 US-Dollar Visumgebühren abgeben musste. Danach wurde geschrieben, gestempelt und geklebt, die Pässe den Listen der einzelnen Reisegruppen zugeordnet und schließlich – nach 40 Minuten - unserem Fahrer übergeben. Es war zwar total umständlich und zeitraubend, aber letztendlich stimmte alles und jeder war froh, wieder seinen eigenen Pass in den Händen zu halten.

Die erste Station im sehr touristisch anmutenden Ort Victoria Falls war das Büro eines Touranbieters, wo wir ein Video mit den dort buchbaren Aktivitäten – vom Bungee-Springen über Rafting bis zum Elefantenritt über uns ergehen ließen, Fragen stellen konnten und im Büro von einer Mitarbeiterin die Rückflüge telefonisch bestätigen lassen konnte. Wir wollten uns nicht voreilig für eine Tour entscheiden und verschoben dies auf später, da wir ja noch eine Hotelübernachtung zusätzlich gebucht und somit einen Tag länger Zeit hatten als die restliche Gruppe.

Zunächst hieß es erst einmal wieder Zeltaufbau auf dem Rasen des direkt gegenüber liegenden Victoria Falls Rest Camp. Die Sanitäranlagen waren ausreichend aber nicht ganz so gut wie bisher gewohnt - abgesehen vom Loch im Bushcamp. Später überraschten uns allerdings noch verschiedene Pannen, die aber abgehärtete Bushcamper nicht aus der Ruhe bringen konnten. So legte am Abend ein Kurzschluss die gesamte Stromversorgung des Lagers lahm und beim Dunkelduschen hatte man ständig Sandkörner auf der Haut, da an irgendeinem Leck in der Leitung Sand ins Warmwasser gelangte – afrikanisches Peeling Brüllend

Wir beschlossen zunächst, eine Pirsch durch den Ort zu unternehmen und besorgten uns in einem kleinen Shop für einen US-Dollar eine Karte vom Ort. Sehr rasch fiel die gegenüber den bisher durchreisten Ländern größere Armut der Bevölkerung auf, auch wenn der Touristenort sicher noch vieles minderte.  Der Besuch in der gut bewachten Bank war ein besonderes Erlebnis, als wir für 50 Euro nach einer ca. 15 Minuten dauernden und an Bürokratie nicht zu überbietenden Schalterabfertigung den sagenhaften Gegenwert von 3,4 Millionen Simbabwe Dollar ausgezahlt bekamen. Da die Inflation hier so schnell wächst und man mit dem Druck größerer Banknoten nicht nachkommt, ist die 20.000er Note der größte Schein, so das der Riesen-Papierstapel, den wir in den Händen hielten, die Kapazität unserer Gürteltaschen und Brustbeutel sprengte und wir das Geld im Rucksack verstauen mussten.

Die weltberühmten Victoriafälle, an denen auf 1,7 Kilometer Länge durchschnittlich 550.000 m³ Wasser ca. 100 Meter in die Tiefe der Zambezi-Schlucht stürzen, waren nur zehn Minuten Fußmarsch entfernt und sollten unser nächstes Ziel werden. Da die Sonne es wieder zu gut meinte, kauften wir uns zunächst an der Tankstelle gegenüber der Bank eine kleine Flaschen Mineralwasser für je 60.000 S$. Auf dem Fußweg zu den Vic Falls - wie man sie dort kurz nennt – glotzten uns plötzlich zehn Meter rechts in den Büschen mehrere Büffel an und da wir erfahren hatten, dass diese keinen Spaß verstehen und sehr gefährlich werden können, ignorierten wir sie einfach – oder taten zumindest so, denn so ganz gleichgültig waren uns die großen mit spitzen Hörnern ausgestatteten Tiere doch nicht.
 Heil am Haupteingang der Fälle angekommen, lasen wir auf einem Schild, dass man die Fälle nur zu sehen bekommt, wenn man den Eintritt von 20 US-Dollar pro Person zahlt, da wir aber nicht mehr allzu viel Zeit hatten, verschoben wir dies auf den nächsten Tag und wählten den Weg entlang der Umzäunung zurück in den Ort, der uns an den Riesen-Baobab-Bäumen vorbeiführen sollte. Ein Schild am Beginn des Weges machte auf die dort vorkommenden wilden Tiere und die nötige Vorsicht aufmerksam – es gab hier Elefanten, Affen, Krokodile, natürlich Schlangen und manchmal auch Löwen. Wir sahen glücklicherweise außer einer Gruppe Affen nur die Spuren der anderen Wildtiere und erreichten nach einer knappen Stunde wohlbehalten die wirklich beeindruckenden riesigen über Tausend Jahre alten Baobabs. Der weitere Weg zum Camp gestaltete sich dann doch etwas länger als wir gedacht hatten, unsere Wasservorräte waren mittlerweile auch erschöpft und wir freuten uns, als die ersten Häuser des Ortes auftauchten. Die Bar im Garten des ersten Hotels wurde sogleich gestürmt und die eisgekühlten Coca-Colas zischten durch unsere ausgetrockneten Kehlen – Wasser gab es leider nicht.

Wir hatten unser Camp fast erreicht, als wir an einem weiteren Hotel vorbeikamen, das sich zufällig als das Rainbow Hotel Mercure entpuppte, das wir für die übernächste Nacht von Deutschland aus gebucht hatten. Da wir inzwischen dem Nomadenleben doch etwas überdrüssig geworden waren, erkundigten wir uns nach der Möglichkeit, bereits morgen – also einen Tag früher - einzuchecken. Das ging problemlos und war uns die 120 US-Dollar pro Doppelzimmer wert. Überglücklich erreichten wir das Camp, um nach dem Abendessen und der Vorführung einiger Tänze einer einheimischen Gruppe, die sich damit einige Dollar verdiente, unsere letzten Nacht im Zelt zu verbringen und uns auf das Bad und die Betten zu freuen, die uns morgen erwarteten.

Nach einer mit Gewitter und starkem Regen durchsetzten Nacht brachten wir nach dem Frühstück zunächst unsere kleinen Ruck- und Schlafsäcke ins 200 Meter entfernte Hotel, bezahlten die zusätzliche Nacht mit Kreditkarte, was auf elektronischem Wege nicht funktionierte, da der nächtliche Regen die Telefonleitung des Hotels entschärft hatte und so musste gerubbelt werden. Die Zimmer mit Bad/WC waren sehr angenehm, groß, sauber und klimatisiert - Willkommen in der Zivilisation!
Anschließend genossen wir den letzten Zeltabbau im Camp, schulterten unsere Reiserucksäcke, verabschiedeten uns von den Gruppenmitgliedern und Allan, dem wir mit einem reichlichen Trinkgeld für ihn und Adam für die sehr erlebnisreiche Zeit dankten. Adam sahen wir am nächsten Tag mit einem großen Hallo unterwegs an der Brücke.

Zurückgekehrt ins Hotel buchten wir bei der dortigen Touragentur eine Kombitour für den nächsten Tag - Elefantenritt, Helikopterflug über die Vic Falls und abendliche Sambezi-Flussfahrt für 145 US-Dollar pro Nase.
Die Bezahlung mit Kreditkarte war nach Aussage der Dame angeblich kein Problem (beim Anbieter mit dem Video gestern war nur Barzahlung möglich) und so ging sie mit uns an die Hotelrezeption, wo wir mit der Karte bezahlten. Als wir 30 Minuten später zur Victoria-Falls-Bridge aufbrechen wollten, erfuhren wir, dass die Kartenzahlung vom Drittanbieter der Elefantentour doch nicht akzeptiert wird und wir in US-Dollar bar bezahlen müssten.
Nun hatten wir zwei Probleme: Die Kartenzahlung war bereits erfolgt und unser Bargeld war auf eine sehr überschaubare Summe geschrumpft. Nach eingehender Prüfung brachten wir das Geld in einem US-Dollar/Euro-Gemisch zusammen und bezahlten so zum zweiten Mal die gleichen Leistungen. Die anschließende Stornierung der Kartenzahlung gestaltete sich zu einer Geduldsprobe, denn es war Samstag, die Bank hatte bereits geschlossen und der Hotelmanager, der uns angeblich als einziger helfen könnte, war momentan verschollen. Wir mussten nachmittags und am Sonntag noch mehrmals nachhaken, bis die Stornierung erfolgte. 
Ein Taxi fuhr uns für drei Dollar zur Brücke. Da diese zwischen Simbabwe und Sambia liegt, muss man dazu die Grenze von Simbabwe passieren, was aber problemlos geht, da man nach einer Passkontrolle und Nennung des Zieles lediglich ein kleines Stück Pappe mit der Zahl der Personen erhält, welches man einem ziemlich unfreundlich dreinblickenden Beamten am Stahltor in die Hand drückt und so passieren darf.

Die Aussicht von der Brücke in die Schlucht ist nicht schlecht, aber nicht mit der direkt an den Wasserfällen zu vergleichen. Wir sahen uns die Stelle an, von wo man einen Bungee-Sprung in die Tiefe wagen konnte und entschieden, dass wir das nie im Leben tun werden. Die Belagerung durch Leute, die uns alles Mögliche verkaufen wollten war zeitweise nervig, aber die armen Teufel wollten alles, was wir am Leibe trugen, in Holzschnitzereien eintauschen. Meine Wanderschuhe fanden einen neuen Besitzer und unseren Schrank zieren nun die aus einem Stück Ebenholz geschnitzten "Big Five".

Unsere Wanderung entlang der Fälle mussten wir auf den nächsten Tag verschieben, da uns in dem Moment, wo wir den Eingang passieren wollten, die Frau vom Touristikunternehmen entgegen kam. Sie hatte uns die ganze Zeit gesucht, um uns mitzuteilen, dass wir die Sambezi-Flussfahrt schon heute machen mussten, da diese für Sonntag ausgebucht sei. Also schnell noch zum Handwerkermarkt in der Nähe, wo man eine unüberschaubare Menge von Holzschnitzereien und andere typisch afrikanische Gegenständen findet, die darauf warten, nach langem Feilschen den Besitzer zu wechseln. 
Danach mit dem Taxi zurück ins Hotel und an der Rezeption für 20 Uhr vier Plätze im "BOMA" - einem afrikanischen Erlebnis-Restaurant - reserviert. Wenig später fuhr uns ein Kleinbus zum Fluss, wo wir bis zum Sonnenuntergang eine wunderschöne erholsame Fahrt genossen und zahlreiche Tiere, vor allem Flusspferde, zu Gesicht bekamen. Außer uns Vieren war nur noch ein Ehepaar aus Dänemark auf dem Boot, wo man uns mit Snacks und Getränken bis zum Abwinken verwöhnte (alles inklusive).  Nach der Rückfahrt ins Hotel ließen wir uns mit dem Taxi zum "BOMA" fahren, wo wir für eine 30 US-Dollar-Pauschale - begleitet von Tänzen und Trommelrhythmen - vom ausgezeichneten Buffet aßen, uns afrikanischen Wein schmecken ließen und auch selbst unsere Trommelkünste unter Beweis stellen mussten.
Gegen 23 Uhr auf dem Rückweg ins Hotel, sahen wir einige Elefanten ganz in der Nähe des Hotels, aber als wir die Hotelanlage verließen und 50 Meter die Straße entlang wanderten, warnten uns aufgeregt entgegenkommende Autos mittels Lichthupe vor der Elefantenherde, so dass wir uns schleunigst wieder in den Schutz der Einzäunung begaben - man sollte sich der Gefahr immer bewusst sein, denn man ist schließlich im Herzen Afrikas! Nach einem kurzen Besuch der Pool-Bar genossen wir die Nacht in unseren Hotelbetten.

Nach einer Runde im Pool und dem Hotelfrühstück am Sonntag wurden wir 9 Uhr zum Helikopterflug nach Sambia gefahren (Pässe für die Grenze nicht vergessen!). Der ungefähr 15 Minuten dauernde Flug war sehr beeindruckend, da man aus der Vogelperspektive eine wunderschöne Aussicht über das gesamte Gebiet genießen kann. Auf der Rückfahrt ins Hotel ließen wir uns am Eingang des Victoria Fall Parks absetzen, bezahlten pro Person 20 US-Dollar Eintritt und wanderten - vorbei am Denkmal des britischen Entdeckers Livingston - den Pfad entlang der Fälle, wo man, teilweise umgeben vom feinen Nebel der aus der Schlucht aufsteigenden Gischt, an einigen Stellen durch Regenwald wandert und eine spektakuläre Aussicht auf die verschiedenen Fälle hat, die sich an der gegenüber liegenden Felswand nebeneinander reihen.

Nach knapp zwei Stunden fuhren wir weiter zum Handwerkermarkt, wo wir den gestrigen Bummel fortsetzten und auch einige Holzschnitzereien und eine Trommel erhandelten (meist Ware gegen Kleidung und einen kleinen Sockelbetrag Geld). Zurückgekehrt ins Hotel wurden wir 15 Uhr zur Elefantentour abgeholt, wo wir nach etwa 30 Minuten Autofahrt in einem abgelegenen Waldstück einen interessanten einstündigen Ritt durch die Wildnis machten. Begleitet wurden wir von einem mit Gewehr und Erste Hilfe Rucksack bewaffneten Ranger - da man auch hier ständig auf Überraschungen gefasst sein muss - und einem Kameramann, der das Ganze auf Video aufzeichnete. Nach dem Ritt durften wir die Elefanten füttern und streicheln, bevor ihre Führer mit ihnen wieder im Dornendickicht verschwanden und wir auf der Rückfahrt einen Stop in einem sehr schön gelegenen Buschhotel machten, um einige Snacks und Getränke zu bekommen und das aufgenommene Video anzuschauen. Die DVD konnte man sich abends in Hotel bringen lassen (Preis: 20 Euro - aber gute Kameraführung, Schnitt und Qualität). Am Abend schlenderten wir zum Lokal "Mama Afrika", wo wir im Freien zur Musik einer Live-Band die leider nur mittelmäßig schmeckenden Speisen aßen.

Am Montag Morgen - unserem letzten Tag in Afrika - wanderten wir zum SPAR-Markt, um Wasser für die Fahrt zum Airport zu kaufen und nahmen zwei Beutel Kleidungsstücke und Utensilien mit, die wir nicht unbedingt mehr unbedingt benötigten und alles fand schnell reißenden Absatz. Für 11 Uhr hatten wir uns ein Taxi zur Grenze bestellt, wo wir nach der Passkontrolle in ein anderes Taxi wechselten und uns nach Sambia - genauer zum Airport in Livingston - fahren ließen, was bedeutend preiswerter war, als wenn wir im Hotel einen Airport-Transfer gebucht hätten.

Um 14:35 Uhr hob das Flugzeug von Nationwide Airlines zum 90 Minuten dauernden Flug nach Johannesburg ab, von wo aus wir um 20:20 Uhr mit South African Airlines zu einem ruhigen Nachtflug nach Frankfurt abhoben.