Fahrt nach Swakopmund

Montag, 24.10.05 – Dienstag, 25.10.05

Der heutige Tag begann wieder schon um 5 Uhr. Aufstehen - Waschen - Zeltabbau. Überall war der roter Sand, den wir entweder von unserem Wüstenausflug in den Sachen hatten, oder den der nächtliche Wind herangeweht hatte.
Um 6.15 Uhr gab es Frühstück. Harry und ich meldeten sich zum heutigen Tischdienst, nachdem gestern unsere Frauen beim Tischdecken, Speisen vorbereiten und Abwasch geholfen hatten.
Bevor wir gegen 7 Uhr Richtung Swakopmund abfuhren, füllten wir noch eine Plastikflasche mit rotem Sand als Andenken für zu Hause. In Swakopmund konnten wir laut Programm zwei Nächte im Hotel "Zum grünen Kranz" übernachten, worauf sich alle nach den sandigen Nächten im Zelt gewaltig freuten.

Gegen 8.15 Uhr stoppten wir für eine halbe Stunde in Solitär, das aus einer Gästefarm (der Solitär-Lodge), einer Tankstelle mit kleinem Shop und dem Haus des Besitzers bestand, um Wasser zu fassen, auf die Toilette zu gehen oder den Rauchern Gelegenheit für ihr Laster zu geben. Auf unserer weiteren Strecke passierten wir den südlichen Wendekreis, wo wir einen Fotostopp machten und erreichten gegen Mittag Walvis Bay, um einzukaufen und Pelikane und Flamingos zu sehen. Die Walvis Bay Lagune ist eines der berühmtesten Vogelschutzgebiete der Erde (bis zu 50.000 Flamingos) und das größte geschützte Flachwassergebiet im südlichen Afrika. An der Strandpromenade nutzten wir die Pause bis 13.30 Uhr für unser Lunch (Gemüse, Brötchen, Käse, Salatblätter).

Am Rande von Swakopmund besuchten wir ein Touristenzentrum, wo man uns ein Video mit allen möglichen Aktivitäten zeigte, die man dort buchen konnte - angefangen vom Dünengleiten bis hin zu Fallschirmspringen. Wir entschieden uns für eine weniger spektakuläre geführte Tour in die Townships am morgigen Nachmittag. 
Weiter ging es in den Ort - aber zu unserer Überraschung nicht ins gebuchte Hotel sondern zur "Villa Wiese", die sich als Backpackerunterkunft entpuppte, da das Hotel "Zum grünen Kranz" angeblich ausgebucht war, was uns sehr überraschte, da wir die Übernachtung schon ein halbes Jahr vorher über Ventertours gebucht hatten.
Entweder hatten unsere Guides nicht genug Durchsetzungsvermögen oder wir waren als Letzte in den Ort gekommen und mussten nun nehmen was noch übrig war.
Zuerst sollten wir zu viert in einem Raum mit zwei Doppelstockbetten schlafen, wegen unserer massiven Proteste bekamen wir dann jedoch zu zweit je einen Raum, in dem außer den besagten zwei Doppelstockbetten nichts weiter war als eine Wandlampe, ein Lichtschalter und zwei Steckdosen. Toilette und Dusche mussten sich jeweils zwei Zimmer teilen. Als Schlüsselpfand bezahlten wir 20 N$. Wir waren ziemlich sauer und gingen, um auf andere Gedanken zu kommen durch den Ort bummeln. In Swakopmund ist es im Vergleich zum Inland relativ kühl, was seine Ursache im kalten Benguela-Meeresstrom hat. Bei 22°C mussten wir auf die zum Glück mitgenommenen dickeren Jacken zurückgreifen.

Swakopmund wird häufig als deutscheste Stadt Namibias oder südlichste Stadt Deutschlands bezeichnet, da hier Deutsch Hauptsprache ist und viele Gebäude an die deutsche Kolonialzeit erinnern. Es war früher das Tor zu Deutsch-Südwestafrika. Die gesamte Versorgung der Kolonie wurde über den kleinen Ort abgewickelt, indem heute etwa 30.000 Menschen leben.  Wir schauten uns einige Geschäfte an und brannten unsere Bilder an einem Automaten im Technikshop für 25 Rand auf CD, wobei uns der perfekt deutsch sprechende junge Verkäufer behilflich war. Überhaupt war es hier wie in einer süddeutschen Kleinstadt - die Straßennamen waren bis vor kurzem auch deutsch, wurden mittlerweile allerdings nach afrikanischen Persönlichkeiten umbenannt. An vielen Häusern waren aber noch Schilder mit den Deutschen Namen angebracht.

Am Wasser wehte eine steife Briese, weshalb wir auch schnell den geschützteren Weg zum 21 Meter hohen im "norddeutschen Stil" erbauten Leuchtturm - dem Wahrzeichen der Stadt - einschlugen. Dort sprach uns ein relativ gut gekleideter Farbiger an der sich als Fußballtrainer des Swakopmunder Jugendfußballvereins vorstellte, der im Dezember nach Deutschland fliegen dürfe, um gegen die Jugendauswahl von 1860 München zu spielen. Er zeigte uns einige deutsche Visitenkarten von seinen "Freunden" und antwortete auf unsere Frage, woher er so gut deutsch spreche, dass seine Oma bei Deutschen gearbeitet hätte.  Als er schließlich eine Liste aus der Mappe holte und uns bat, eine Spende für die Reisekosten zu geben, war uns klar, woher der Wind wehte. Diesen Trick versuchte übrigens am nächsten Tag in den Townships ebenfalls ein anderer - nur nicht ganz so clever. 
Gleich neben dem Leuchtturm befindet sich der Handwerkermarkt, auf dem es eine unüberschaubare Menge geschnitzter Holz- und Steinfiguren, Ketten und anderer afrikanischer Kunstgewerbeartikel zu kaufen oder zu erhandeln gibt. Wir waren etwas spät dran, denn die Hälfte der Stände wurde bereits abgebaut. Oberhalb der Treppe findet man das Cafe Anton und ein Stück weiter ein kleines, gemütliches Restaurant mit dem typisch afrikanischen Namen "Weinmaus" :-). Hungrig waren wir inzwischen auch (zu den Leistungen des Reiseveranstalters zählte in Swakopmund nur Frühstück) und ein Blick auf die Speisekarte ließ in uns heimatliche Gefühle aufkommen. Ich konnte einem Eisbein nicht wiederstehen (natürlich mit Sauerkraut, Kartoffeln und Senf), während sich Monika, Bärbel und Harry unter anderem Kudusteak und Hühnchen vom aus Bayern stammenden Wirt servieren ließen.
In der Bar der Villa Wiese klang der Tag mit vier Amarula aus und wir spendierten Allan eine Limonade (er trank keinen Alkohol) bevor wir uns in unsere sporadisch eingerichteten Zimmer verzogen (zum gut Schlafen hat es allerdings gereicht).

Am nächsten Morgen holten wir vor dem 8.30 Uhr-Frühstück an der Rezeption einen Wäschesack für 10 N$, stopften unsere schmutzige Wäsche hinein, um sie abends wieder sauber und ordentlich zusammengelegt in Empfang zu nehmen.

Bärbel hatte schon am Vortag über Zahnschmerzen geklagt und da diese noch immer nicht abgeklungen waren, war ihr erster Weg zu einer Zahnarztpraxis, wo ihr der deutsch sprechende niederländische Arzt eine Zahnfleischentzündung diagnostizierte und eine Medizin zum Spülen verschrieb - Die Schmerzen hatten sich einen guten Zeitpunkt ausgesucht, im späteren Buschcamp wäre es problematischer geworden.  Auf dem anschließenden Stadtbummel besuchten wir das Postamt, den 25 Meter hohen Damara-Turm des Woermann Hauses aus dem Jahre 1905, von dem man einen schönen Blick über den Ort hat, verschiedene Geschäfte und schließlich das Cafe Anton, in dem Monika, Bärbel und Harry Schwarzwälder Kirschtorte genossen und ich mir nur eine Gulaschsuppe schmecken ließ, da ich unterwegs schon einem Liebesknochen nicht hatte widerstehen können. An den Eingängen der Geschäfte waren massive, geschlossene Eisengitter angebracht (meist noch ein Schild "Open") und man musste sich erst bemerkbar machen, bevor der elektrische Türöffner betätigt wurde. Auch mit Schlagstöcken ausgerüstete Wachmänner verschafften sich den nötigen Respekt - man wird schon gewusst haben, warum.

Um 15 Uhr wurden wir vier dann mit einem Kleinbus zu unserer am Vortag gebuchten Townshiptour abgeholt, auf der uns noch zwei junge Amerikanerinnen begleiteten. Unsere zwei jungen Guides fuhren mit uns in die vor der Stadt liegende große Siedlung Mondesa, wo etwa 11.000 Menschen lebten. Wir lernten verschiedene Leute kennen, unter anderem eine Frau, die ihren Lebensunterhalt mit dem Durchbohren von winzigen Steinen für Ketten verdiente, einen Maler und natürlich sehr viele Kinder. 
Eine Gruppe Schulkinder führte Tänze vor und in einer Rundhütte bekamen wir die traditionellen Speisen angeboten - Hirsebier, Hirsebrei, eine Art Spinatsuppe, geröstete Körner und getrocknete Mopane-Würmer.  Tapfer probieren wir von allem und spendeten etwas für die dortige Schule. Die Behausungen der Bewohner hatten weder Strom- noch Wasseranschluss, es gab nur eine Straßenbeleuchtung zur Wahrung der Sicherheit und einen zentralen Automaten, der gegen Münzen Wasser spendete.

Die gemauerten Toiletten, die der Staat hatte bauen lassen, seien "Scheiße", erklärte uns ein Mann, ihr Erdloch hinterm Haus sei wesentlich besser. Sehr interessant war auch die Demonstration der Klicklautsprache, die einer unserer Guides sprach, da er zum Volk der Damaras gehörte.   Damara zählt wie die Klick-Sprache der San (Buschmänner) zu den Ton-Sprachen und verfügt über vier verschiedene Klicklaute. Es ist kaum möglich, die Sprache zu lernen, jedoch sind die Wörter meist auch ohne Klicklaute für Damara verständlich, da auch ihre Kinder diese Laute erst mit etwa fünf Jahren lernen.
Klicklaute sind sehr sonderbar, da man beim Sprechen Luft einsaugen muss - bei den meisten anderen Sprachlauten dagegen atmet man Luft aus. Wir besuchten auch eine 80 Jahre alte Damara-Frau, die wegen ihrer Weisheit von den Townshipbewohnern als eine Art Orakel verehrt wird.

Gegen 18.30 Uhr wurden wir wieder zurück zur Villa Wiese gefahren, wo wir uns kurz frisch machten und danach in Richtung Meer in den "Europa Hof" spazierten, um zu Abend zu essen (Wild, Krokodil und Strauß, wobei uns das Krokodil nicht besonders schmeckte).
Auf dem Heimweg hoben wir am Automaten der "Autobank" noch Geld mit EC-Karte ab, bevor wir den Weg über die Bar ins Bett nahmen.