Tour ins Okawango Delta

Montag, 31.10.05 — Dienstag, 01.11.05

Um 5.30 Uhr Aufstehen - 6 Uhr Frühstück - 7.30 Uhr Abfahrt zum Delta.
Eingestiegen in den offenen Truck erlebten wir eine beeindruckende Fahrt durch das Vorland des Deltas, wo Elefanten, Giraffen, Warzenschweine und Tukane hautnah unseren Weg kreuzten. Als nach knapp zwei Stunden der Weg endete, hatten wir die Anlegestelle der Makoros erreicht. Das sind schmale Einbaumboote der Einheimischen, die sehr flach und etwas wacklig sind und durch einen Bootsmann mit einer langen Stake, die am unteren Ende eine Astgabel hat, mit großem Können durch die engen papyrusbewachsenen Wasserarme bewegt wird. Ein Makoro wir in ungefähr einem Monat aus einem Baumstamm gebaut und kann dann ungefähr zehn Jahre benutzt werden, bevor das Holz immer wasserdurchlässiger wird.
Der Tiefgang war beängstigend, denn mehr als vier Zentimeter waren es an der flachsten Stelle nicht, die den oberen Bootsrand vom Wasserrand trennten und da es dort auch Krokodile gab, saßen wir relativ bewegungslos, zumal unser Boot ab und zu doch etwas zu tief ins Wasser kam und das einschwappende Wasser uns zu einem nassen Hosenboden verhalf. Wir konnten an den Ufern Elefanten, Büffel und Antilopen sehen, ein entferntes tiefes Grunzen verriet in der Nähe grasende Flusspferde, die aber von den Bootsleuten gemieden werden weil sie sehr angriffslustig und gefährlich sind.

Der Okawango verzweigt sich hier im Sand der Kalahari in das größte Binnendelta der Welt (15 000 km²)und versickert ganz einfach im Sand. Durch die einzigartige Kombination von Wasser und Wüste weist das Delta interessante Lebensräume für die Tiere auf. Man kann hier Seeadler, Marabus, Störche, Elefanten, Zebras, Büffel, Flusspferde, Giraffen, Kudus und Gnus beobachten.
Die günstigsten Monate für das Delta sind August bis November, da es dann langsam austrocknet und die Tiere zu den knapper werdenden Wasserstellen kommen.

Nach einer Stunde beeindruckender Bootsfahrt erreichten wir eine kleine Baumgruppe, wo wir unsere Zelte, die in einem Gepäckboot mitgenommen wurden, aufschlugen. An diesem Ort gab es außer einem großen Elefantenschädel und einigen Knochen nichts - Wildnis pur!
Die Buschtoilette war schnell gebaut - ein ca. ein Meter tiefes Loch mit 30 cm Durchmesser, etwas 20 Meter von den Zelten entfernt. Ein am Beginn des Pfades stehender Spaten bedeutete "Toilette frei" - war er weg hieß das "Besetzt".
Der einzige Luxus den das Camp zu bieten hatte, bestand aus einer Bademöglichkeit im Fluss, besser gesagt, man konnte sich an seiner mit 40 cm tiefsten Stelle ins Wasser legen - bei den Temperaturen um die 40°C war das schon eine Wohltat, denn in den Zelten hielt man es trotz des Schattens kaum aus!
Ab und zu besuchten uns einige Affen im Camp und machten sich an den Abfällen zu schaffen, welche wir daraufhin in einem Plastiksack verstauten und diesen mit einem Elefantenknochen beschwerten.
Unser Buschlunch bestand aus zwei Scheiben Weißbrot, je zwei Scheiben Wurst und Käse sowie einer Tasse Tee oder Kaffee aus dem am Lagerfeuer abgekochtem Wasser des Deltaflusses.

Wir hatten frei bis 16.30 Uhr, danach teilten wir uns für einen Pirschgang in drei Gruppen und erlebten eine interessante, spannende Pirsch. Vorn und hinten liefen je ein Eingeborener und dazwischen wir acht Greenhorns.  Vornweg lief "Master" der 26jährige Chef der Gruppe und seiner Ortskenntnis und seinen Adleraugen hatten wir es zu verdanken, dass wir unter anderem Elefanten, Giraffen, Fischadler, viele andere Vögel, ein Büffelskelett und Warzenschweine aus kurzer Distanz beobachten konnten und im Spurenlesen unterrichtet wurden. Natürlich blieben wir immer im respektablen Fluchtabstand, denn keiner der Führer verfügte über ein Messer, geschweige denn eine Schusswaffe.

Zufrieden über das Erlebte (die anderen Gruppen hatten bedeutend weniger "Jagdglück" gehabt) waren wir zum Abendessen zurück im Lager und tauschten unsere Eindrücke aus. Das Lagerfeuer brannte die ganze Nacht hindurch, dazu wurde ein trockener Baumstamm Stück für Stück von unseren Bootsleuten in die Glut nachgeschoben - sie schliefen gleich neben dem Feuer auf weichem Papyrusgras vom Flussufer, auf welches sie unter ihre Schlafsäcke oder leichten Zelte gelegt hatten.

Am nächsten Morgen hieß es um 5 Uhr aufstehen und nach Weißbrot mit Sirup wurde ein neues Toilettenloch gegraben und 6.15 Uhr begaben wir uns in zwei Gruppen auf die zweite Pirsch, die drei Stunden dauern sollte.
Jeder von uns hatte einen Liter Wasser mit, die Einheimischen tranken das Flusswasser. Wir hatten wieder zahlreiche Tierkontakte und sahen wie am Vortag einige Elefanten, Giraffen, Fischadler, Affen, Marabus, Hippos und Antilopen.  Da wir uns etwas länger bei den Hippos aufgehalten hatten, und die Einheimischen, wie sich herausstellte keine Uhr lesen konnten, vergingen die drei Stunden, ohne dass wir unser Camp in der Nähe sehen konnten. Da wir fast kein Wasser mehr besaßen (wir hatten es uns über die drei Stunden eingeteilt) und die Sonne mittlerweile gnadenlos brannte, fragten wir besorgt, wie lange die Wanderung denn noch dauern würde. Unsere Führer machten danach einen ziemlichen Gewaltmarsch mit uns, der immerhin noch eine Stunde dauerte, bis wir ziemlich geschafft aber glücklich im Camp ankamen.

Gegen 11 Uhr gab es dann Rührei als verspätetes Frühstück - die anderen hatten schon auf uns gewartet - und schon gegen 13 Uhr Makkaronisalat zum Lunch. Danach war Baden (besser Liegen im Fluss) angesagt, was wir uns redlich verdient hatten.  Um 16.30 Uhr brachen wir dann zu einer zweistündigen Makorofahrt auf, die zweite Gruppe hatte am Morgen wieder keine Tierberührung gehabt und war daher 15.30 Uhr mit den beiden Führern, die uns vorher geführt hatten, zu einer letzten Pirsch aufgebrochen. Die Bootsfahrt war wunderschön - wir waren bis zum Sonnenuntergang unterwegs und glitten fast lautlos durch das Delta.

18.50 Uhr spülten wir dann den Staub im Fluss ab, mampften gegen 19 Uhr unseren Reis mit gedünstetem Gemüse und verschwanden gegen 20.30 Uhr in den Zelten.