Fahrt zum Namib Naukluft NP

Samstag, 22.10.05 — Sonntag, 23.10.05

Der Samstag begann schon um 6 Uhr mit Frühstück, da wir bereits 7 Uhr abfuhren. Vor dem Essen noch das morgendliche Ritual - Waschen, Sachen packen, Rucksäcke im Bus verstauen und Zelt abbauen.

Nach drei Stunden machten wir einen Piss- und Wasserkauf-Stopp in Bethanien, einem kleinen Ort mit rund 2.000 Bewohnern und mehreren imposanten Kirchen und gegen 12 Uhr hielten wir zum Straßenrand-Lunch (Kartoffelsalat mit Ei). Aus der endlosen Weite tauchte plötzlich ein Eselwagen auf, dessen Familie uns freundlich zuwinkte. Für diese Gelegenheiten hatten wir einige kleine Spielsachen mit, über die sich die drei Kinder sehr freuten.

Unterwegs zeigt uns Allan eigenartige Strohgebilde in den Bäumen, die wie mittlere Heuschober aussahen - es waren Nester des Social Weaver (Siedelweber), der die größten Gemeinschaftsnester baut. Wenn eine neue Kolonie gegründet wird, sammeln sich bis zu 100 Brutpaare und errichten zunächst gemeinsam in einem Baum (neuerdings auch an Telegrafenmasten) ein kuppelförmiges Dach aus Grashalmen. Die Nestkammer legt jedes Paar einzeln an und verteidigt es gegenüber anderen Brutpaaren. Unter einem einzigen Dach, das bis fünf Meter Durchmesser haben kann, findet man bis zu 100 einzelne Nestkammern. Später sahen wir auch Bäume, die unter der Last der riesigen Nester zusammengebrochen waren.

Gegen 16 Uhr erreichten wir das Sesriem-Camp und errichteten unter einem großen Baum, der von einer kreisförmigen niedrigen Mauer umgeben war, unsere Zelte - und das bei einem mittleren Sandsturm und molligen 39°C im Schatten. Das wieder im Eiltempo, denn um 17 Uhr war die Fahrt zum Sesriem-Canyon angesagt. Dieser Canyon ist ungefähr einen Kilometer lang und 30 Meter tief und an seinem Boden haben sich Wassertümpel gebildet. Sein Name kommt daher, da man früher einen Eimer mit sechs zusammengeknüpften Ochsenriemen (Ses Riem) herunterlassen musste, um Wasser zu schöpfen. Wir konnten zwischen den steilen Felswänden umherspazieren, die angenehme Kühle genießen und so manche Pflanzen- und Käferart entdecken.

Nach der Rückkehr ins Camp genossen wir am Lagerfeuer die inzwischen von Allan zubereiteten Spaghetti Bolognese und den Obstsalat mit Vanillesauce.
Das Sesriem Camp hatte saubere zentrale Toiletten und Waschräume mit Steckdosen und auch einen Pool, der ebenfalls von einer Steinmauer umgeben war, da hier - mitten in der Sandwüste ständig Sand umhergeweht wurde. Es gab keinen Zaun um das Lager, so dass gegen Abend regelmäßig Oryxe und andere Huftieren zu Besuch kamen - was sich in der Nacht abspielte, bekamen wir nicht mit, da wir meist tief schliefen. Jedenfalls sollten wir abends auch die Schuhe mit ins Zelt nehmen, da diese sonst von den Schakalen verschleppt würden. Was nicht gelogen war, denn morgens fanden wir alle Mülltonnen umgestoßen und deren Inhalt weit verstreut.

Am Sonntag hieß es schon um 4.40 Uhr aufstehen, da wir den Sonnenaufgang im Sossusvlei erleben wollten. 5.15 Uhr war Abfahrt, da 5.30 Uhr das Gittertor vom Camp aufgemacht wurde – dann begann eine wilde Wettfahrt durch die Wüste, denn es waren noch zwei Fahrzeuge vor uns und Adam hatte uns am Abend vorher versprochen, dass wir die Ersten an der Düne 45 sein sollten, was wir dann auch um 6.30 Uhr nach einem abenteuerlichen Rennen schafften. Der Name der Düne 45 kommt daher, weil man die Dünen einfach durchnummeriert hat.
Das Sossusvlei ist eine riesige Senke, die von bis zu 300 Meter hohen Dünen umgeben ist. Da die Senke ungefähr alle 10 Jahre überflutet wird, findet man dort auch einige Büsche und Akazien. Durch den fortwährend wehenden Wind, werden die Dünen immer wieder neu geformt und verschoben. Und das im Sand enthaltene Eisenoxid gibt ihnen – je nach Stand der Sonne – eine wunderschöne hell- bis dunkelrote Färbung.

Der Aufstieg auf die Düne 45 gestaltete sich schwerer als gedacht. Auch wenn man die ersten zehn bis zwanzig Meter noch etwas forsch voranschreiten konnte, nahm einem der leicht nachgebende feine Sand schnell die Kondition, so dass man immer langsamer vorwärts kam. Das Erklimmen des oberen Dünenkammes war dann schon ein kleines Erfolgserlebnis und man wurde bei aufgehender Sonne mit einem fantastischen Rundblick auf die in verschiedensten Rottönen gefärbten Riesendünen belohnt - wobei die Düne 45 mit ihren ca. 100 Metern Höhe noch ein Zwerg neben ihren gut viermal so hohen Nachbarn war, wobei "Big Daddy" mit ca. 410 Metern die größte ist. Ein Fehler war, dass wir kein Wasser mit auf die Düne genommen hatten - wir hatten es im Auto gelassen, da wir ja " nur mal schnell" auf die Düne klettern wollten - und nun lag die trockene Zunge wie ein Brett im Mund.
Der Abstieg ging da schon bedeutend flotter und unten angekommen wurden die immer schwerer werdenden Schuhe erst mal vom roten Sand geleert.

Wie gut schmeckte uns danach unser Frühstück vor Ort (Rührei mit Schinken), denn wir hatten ja heute noch nichts gegessen. Einige aus unserer Gruppe nahmen um 8.30 Uhr für 150 Rand an einer geführten dreistündigen Wüstenwanderung teil. Wir zogen es vor, die Wüste um die Düne 45 auf eigene Faust zu erkunden, und wurden mit wunderschönen Ausblicken und Fotomotiven belohnt, bis wir um 11.30 Uhr, rechtzeitig zum Lunch mit Bohnensalat und Toast, zum Truck am Fuße der Düne zurückkehrten.

Zurück im Camp, kauften wir im Shop Wasserflaschen (1 Liter zu 7 Rand) gingen danach zum Pool, genehmigten uns an der Bar einige Miniflaschen Amarula (14 Rand pro Flasche) und konnten ausnahmsweise mal faulenzten, bevor wir dann um 19.30 Uhr am Truck zum gemeinsamen Dinner (Beefgoulasch mit Karamellsauce und Gemüse) erwartet wurden. Danach war noch ein Besuch der Bar angesagt – was wollte man mitten in der Wüste auch anderes machen? – bevor wir uns, ermattet von der Kletterei, in unsere Zelte verkrochen.