Tour ins Mekongdelta nach My Tho und Can Tho

Dienstag, 30.11.2004

Für heute hatten wir bei TNK-Travel die Mekong-Delta-Tour gebucht, um eine günstige und preiswerte Verbindung nach Kan Tho zu bekommen.

Wir frühstückten Sieben Uhr gegenüber TNK Travel im Café 333 und wurden Acht Uhr vom Bus abgeholt.
Unser Guide hieß BINH und erzählte uns während der Fahrt viele interessante Dinge über Vietnam, seine Geschichte und seine Menschen.
Das Land ist von einem Krieg in den nächsten geraten und nun freut man sich über den dauerhaften Frieden und nimmt deshalb auch gern das kleinere Übel - die kommunistische Regierung - in Kauf.

Nach unser Ankunft gegen Zehn Uhr in My Tho, stiegen wir in Boote auf dem Mekong um.
An den Ufern fielen uns die ärmlichen Behausungen auf, welche oft nur aus einigen Brettern oder Plastikplanen bestanden. Alle Boote hatten am Bug zwei Drachenaugen, die vor bösen Geistern schützen sollten.

Unterwegs legten wir für 20 Minuten in Khan Tho an, um uns den Markt anzuschauen und einige Früchte zu kaufen. Anschließend fuhren wir zum Lunch auf die Toto-Insel, wo wir nach kurzer Wanderung unseren Picknickplatz inmitten von Obstplantagen erreichten.

Nachdem wir unsere Vorsuppe, die Reisnudeln mit Schweinefleisch und das Obst gegessen hatten, sahen wir gleich neben unserem Platz zum ersten Mal eine Drachenfrucht am Baum wachsen.

Danach stiegen wir in kleinere Acht-Personen-Boote um, die uns zur Coconut-Candy-Manufactur fuhren. Dort wurde uns demonstriert, wir aus eingedicktem Kokossirup ein Teig geknetet und nach dem Ausrollen in Streifen geschnitten wurde.
Nach dem Zerteilen in kleine Stücke wurden diese von drei Frauen in Papier eingewickelt und danach verpackt. Das alles geschah ohne eine einzige Maschine nur mit den Händen.
Nicht zu beneiden waren vor allem die Einwicklerinnen, welche in der zehn- bis zwölfstündigen täglichen Arbeitszeit 4.800 Bonbons einzuwickeln hatten.Im Nebenraum kaufte sich Monika ein schönes besticktes T-Shirt für drei Dollar.

Im Anschluss fuhr man uns zu einer Verkostung von Honigtee und Reisschnaps, dazu spielten drei Musiker auf typischen Instrumenten vietnamesische Volksmusik und zwei junge Frauen sangen dazu mit ziemlich hoher Stimme.
Vorher durften die Mutigen den Zeigefinger in den Honig einer von Bienen dicht umwimmelten Honigwabe stecken und am Rande der Vorführung musste eine etwas müde Boa sich das Hängen an Touristenhälsen gefallen lassen.
Danach wussten wir wieder, warum wir solche Gruppenfahrten nach Möglichkeit vermieden.

Viel interessanter war die anschließende Fahrt in Vierer-Booten durch die engen, an den Ufern mit dichtem, saftigem Grün bewachsenen Kanäle.

Nachdem wir wieder in unserem Bus saßen, sprach Monika mit dem Guide ab, wie und wo wir uns am besten von der Tour abnabeln konnten, um ins My Khanh Village, unserem nächste Ziel, zu gelangen.
Binh meinte, dass wir noch bis morgen Mittag bleiben sollten, da man dann nach dem morgendlichen Besuch zweier schwimmender Märkte auf dem Fluss am Village vorbeifahre und uns absetzen könne - ein Vorschlag, der uns ausgezeichnet gefiel.

Kurz vor Kan Tho mussten wir den Bus verlassen und uns auf einer Fähre übersetzen lassen, da es dort noch keine Brücke gibt. Einige ausländische Investoren, so hatte uns Binh erzählt, haben bereits in Vietnam Brücken und Straßen gebaut, da der Staat dazu keine Mittel hat.
Wir bemerkten dies unterwegs, da der Busfahrer an einigen Mautstellen eine Gebühr bezahlen musste.
Dort funktionierte das Mautsystem gut, indem man völlig auf Elektronik verzichtete und alles einige Arbeitskräfte manuell erledigen ließ.

In Kan Tho übernachteten wir im Hotel "Huy Hoang", wo wir uns für je zehn Dollar Zweibettzimmer buchten.
Abends unternahmen wir noch einen kurzen Trip zum Fluss, kauften uns an der Straße für 2.000 Dong eine Tüte Erdnüsse und landeten schließlich im Restaurant "Thien Hoa 2000", wo wir über eine enge steile Treppe die Terrasse erreichten.

Auf unserem Speiseplan standen diesmal zwei Portionen Schlange für je 40.000 Dong und süß-saures Huhn, wobei wir eine wunderbare Aussicht auf die in der Grünfläche gegenüber hell erleuchtete überlebensgroße Ho Chi Minh Skulptur hatten.

Auf dem Rückweg ins Hotel kauften wir uns noch eine Flasche Haarshampoo für 15.500 Dong und ich schickte noch eine Mail an unsere Kinder, wobei ich dafür nicht mal etwas bezahlen brauchte, weil es nur fünf Minuten dauerte.
Gegen 22 Uhr gingen wir dann Schlafen, nachdem wir uns vorher noch vier dünne Laken zum Zudecken organisiert hatten, denn auf den Betten lagen nur dicke unbezogene Wolldecken.
Unsere Hotelzimmer waren nicht sehr groß aber sauber und hatten ein Bad mit warmen Wasser, Dusche, Klimaanlage und TV.

My Khanh Village

Mittwoch, 01.12.2004

Eine halbe Stunde nach dem inklusiven Sieben-Uhr-Frühstück fuhr uns der Bus eine Viertelstunde bis zu den Booten, wo sich die 20 Personen auf zwei Boote verteilten und zum Cai Rang Markt fuhren, wo aber um diese Zeit nicht mehr allzu viel los war.

Also weiter zum zweiten Markt, welcher ca. 45 Minuten entfernt lag.
Unterwegs machten wir noch einem kurzen Stop zur Besichtigung einer Reisnudelfabrik, wo vier Beschäftigte in ausschließlicher Handarbeit mit der Herstellung von runden Reisteigfladen beschäftigt waren, welche dann auf geflochtenen Matten in der Sonne getrocknet wurden.

Weiter unten am Fluss konnte, wer wollte, eine sogenannte "Monkeybridge" zu Fuß überqueren, so nennen die Vietnamesen eine nur aus einem Palmenstamm bestehende Brücke, an der eine dünne Stange zum Festhalten angebracht ist.

Als wir dann gegen Zehn Uhr den Phong Dien Markt erreichten, war auch dort kein all zu reges Markttreiben mehr im Gange.
Auf der Rückfahrt setzte uns dann unser Boot gegen 11.30 Uhr an der Anlegestelle des My Khanh Village ab.
Wir verabschiedeten uns vom Guide und bedankten uns mit einem Trinkgeld für seine Hilfe.

Das Village war sehr schön in einem großen grünen Gelände gelegen - so wie wir es gelesen hatten - es gefiel uns auf Anhieb.
Nach dem Einchecken bezogen wir unsere beiden schön eingerichteten Bungalows (AC, TV, WC, D) und erkundeten gleich danach das Gelände, vorbei an einigen Tiergehegen mit einem Gibbon und einem Sonnenbären.

Hinter der Bungalowanlage dehnten sich weite Obstplantagen aus und wir bestaunten die großen Pampelmusen.
Man hat versucht, die gesamte Anlage in einem umweltverträglichen Stil zu gestalten, was für vietnamesische Verhältnisse geradezu revolutionär ist, aber einen guten Eindruck machte.

Auf unserem Streifzug blieben wir dann in einem Restaurant hängen, wo nach einiger Zeit auch ein junger Mann auftauchte, vier vietnamesisch-englische Speisekarten besorgte, und wir vier Flaschen BGI-Bier und ein Wasser bestellten.
Die Speisekarte enthielt alles, was die vietnamesische Tierwelt so zu bieten hat.
Angefangen von Heuschrecken über Flughund, Ratte, Leguan bis hin zu Schlange.

Monika entschloss sich (Tierschützer mögen es verzeihen), Schildkröte für 170.000 Dong (entspricht etwa 8,50 Euro) zu probieren, währen wir drei anderen bei Koch- und Bratfisch blieben.
Nach der Bestellung kam unser Kellner extra noch einmal aus der etwas entfernt liegenden Küche zurück und erkundigte sich, ob Monika wirklich so ein teueres Essen bestellen möchte.

Während wir auf das Essen warteten, erschienen ein junger Mann und eine junge, höchsten 1,40m kleine Frau und fingen einige englische Sätze Smalltalk mit uns an. Als die "Kleine" hinter mir stand, begann sie mir zuerst den Nacken und - als ich leise zu Schnurren anfing - den gesamten Rücken und zum Abschluss Kopf und Stirn zu massieren. Parallel dazu wurde Bärbel von dem jungen Mann beklopft und geknetet.
Nach einer halben Stunde waren dann Monika und Harry an der Reihe.

So überbrückte man uns auf sehr angenehme Art und Weise die Wartezeit bis zum Essen und wir gaben jedem von Ihnen 5 Dollar, denn sie hatten sich viel Mühe gegeben. Die Dienstleistung ging sogar so weit, dass Harry und ich von der Masseuse abgeküsst wurden, allerdings mit einem Seitenblick auf unsere Frauen und der Bemerkung "Madam - bumm bumm", was wohl bedeuten sollte, dass uns unsere Frauen Schläge androhen könnten, wenn sie nicht aufhört - was in Vietnam vielleicht Sitte ist.
(Hier fällt mir wieder der so furchtsam dreinblickende Bräutigam bei der Hochzeit in Ninh Binh ein).

Nach dem langen und schmackhaften Essen (Monika schluckte im ersten Moment, als sie merkte, dass in ihrer Suppe die komplette vom Panzer befreite und zerlegte Schildkröte inklusive Kopf schwamm) erfrischten wir uns im großzügig angelegten Pool und gaben unsere Wäsche ab, die bis zum nächsten Tag Zehn Uhr fertig war.

Wir bestellten dann für 19 Uhr vier Plätze auf dem zur Anlage gehörigen Restaurantschiff, welches direkt davor am Fluss liegt - sowie für den nächsten Morgen Sechs Uhr ein Boot mit Führer, welches uns zum Markt bringt, um diesmal nicht wieder zu spät zu sein.

Da bis zum Abendessen noch genügend Zeit war, wanderten wir auf der Straße vor dem Village entlang nach rechts um uns die Gegend anzuschauen. Dabei hatten wir viele Kontakte mit Menschen und Kindern, welche in teilweise sehr primitiven Behausungen wohnten, aber alle über Fernseher verfügten, welche auch ständig liefen.

Das hatten wir schon in Thailand bemerkt und es ist sicher in allen Ländern so, welche vor einigen Jahren noch nicht mal einen Stromanschluss hatten und nun plötzlich mit Kommunikation überschüttet werden.

Die gesamte Straße sollte verbreitert werden und war dadurch eine einzige sandige Baustelle.
Wir wanderten ungefähr eineinhalb Kilometer bis zu eine Pagode, wo wir auf viele spielende Kinder trafen und so noch einige unserer Geschenke verteilen konnten.

Auf dem Rückweg gab die gerade über dem Mekong untergehende Sonne einen wunderbaren Anblick und Gelegenheit zum Fotografieren.
Auf dem Fluss belud man die Boote für die Fahrt zum Markt am nächsten Morgen.

Das Abendessen auf dem Schiff war sehr angenehm. Nach einer Stunde Essen, welches aus dem Lokal auf dem Festland geholt wurde, legte das Schiff 20 Uhr zu einer einstündigen, gemütlichen Mekongfahrt ab, so dass wir nach einem weiteren schönen Tag gegen 22 Uhr Schlafen gingen.

Besuch des Schwimmenden Marktes

Donnerstag, 02.12.2004

Heute besuchten wir gleich früh den schwimmenden Markt, um möglichst viel vom bunten Treiben mitzubekommen.

Um Sechs Uhr weckten wir wie vereinbart den Herren an der Rezeption, der dort unter einer Art Zelt mit Moskitonetz schlief und dieser führte uns dann zum Bootssteg, wo das bestellte Boot samt Fahrer für uns bereitstand.

Unser Bootsführer, ein sehr lustiger Mensch, gab uns vier Strohhüte, die uns echt gut standen und ab ging es zum Markt. Dort war der Handel in vollem Gange und wir hatten mit unseren Kameras zu tun, das Treiben festzuhalten.

Da wir abgesprochen hatten, das im Bungalowpreis inklusive Frühstück auf dem Markt zu essen, winkte unserer Führer das Versorgungsboot heran, in welchem eine Frau Nudelsuppe aus einem großer Topf und andere Speisen anbot. Das Boot legte längsseits an und wir kauften drei Nudelsuppen zu je 3.000 Dong. Der Bootsführer kaufte uns drei Baguettes und eine Ananas, die er uns gleich schälte.
Dazu tranken wir den etwas bitteren vietnamesischen Tee aus einer einzigen winzigen Tasse.

So hatten wir noch nie gefrühstückt - rings um uns kurvten große und kleine Boote umher und mittendrin saßen oder besser hockten (denn die Lehnen der Sitze waren defekt) wir und aßen mit unseren Stäbchen Nudelsuppe.
Wir wurden natürlich von allen Seiten freundlich gegrüßt.

Danach besuchten wir eine Reismühle, die von dickem Staub bedeckt vor sich hin ächzte, aber noch immer, angetrieben von schnurrenden und in der staubigen Luft vibrierenden Riemenantrieben, den säckeweise eingefüllten Reis als feinkörniges Mehl ausspuckte.

Später ließen wir uns an einer Grundschule an Land setzen, wo gerade Rechnen geübt wurde und die Kinder die Aufgaben und Lösungen mit Kreidestift auf Schiefertafeln schrieben, welche sie auf einen Linealschlag der Lehrerin auf das Pult hin schnell hochhielten.
Die Kinder freuten sich über den unerwarteten Besuch und leuchtende Kinderaugen strahlten uns an.

In einem kleinen Laden nebenan kauften wir dann einige Packungen Kekse (das Angebot war nicht sehr groß) und gaben sie, zur Freude der Kinder, der Lehrerin. Danach überquerten wir vier nacheinander eine schmale Monkeybridge; danach auch unser Bootsführer - dieser allerdings freihändig und zehnmal so schnell wie wir.

Wir legten danach an einer kleinen Bretterbude an, wo wir unseren Durst mit frisch aufgeschlagenen Kokosnüssen stillten. Dort wurden unsere Frauen auch wieder von zwei Frauen massiert.
Unser Bootsführer flocht inzwischen aus Grashalmen zwei Grillen, eine handwerkliche Meisterleistung.

Gegen 10.30 Uhr kehrten wir dann ins My Kanh Village zurück, wo wir unsere morgige Weiterfahrt nach Rach Gia absprachen.
Die erste Möglichkeit war der Local Bus, mit dem wir allerdings unterwegs noch einmal umsteigen mussten und dabei eine Stunde Aufenthalt hatten. Auch fuhr er einige Kilometer entfernt im Dorf ab, wo wir uns mit Mopeds hinbringen lassen mussten.
Als zweite Variante bot man uns an, die Strecke (ca. 140 km) mit einem Privat Pkw mit Fahrer zu machen, der uns in Rach Gia die Bootsanlegestelle des Speedbootes zeigt und uns anschließend zu einer Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe fährt. Wir entschieden uns trotz der 50 Dollar Kosten für den bequemeren und schnelleren Pkw, der uns morgen 10 Uhr abholen sollte.

Die Wäsche vom Vortag war fertig, allerdings in wesentlich schlechterer Qualität, als wie sie bisher gewohnt waren.
Unsere Masseuse vom Vortag war uns auf die Dauer etwas zu anhänglich, sie hängte sich laufend an Harry oder mich und so verringerten wir unsere Herzlichkeit ein wenig.

Ab 12.00 Uhr entspannten wir uns auf den Liegen am Pool, währen unweit von uns junge Vietnamesen ohne Pause musizierten und sangen, was anfangs nicht schlecht klang, mit der Zeit aber dann doch so eintönig wurde, dass wir auf unseren Liegen einschliefen.

Gegen 14.00 Uhr entschlossen wir uns, etwas zu essen - Monika bestellte sich eine typische Spezialität des Mekongdeltas - einen Elefantenohrfisch.Da wir keine Karte hatten und der Kellner kein Englisch verstand, musste sie ihre pantomimischen Talente anwenden, um verständlich zu machen, was sie wollte. Umso größer war die Überraschung, als dann wirklich das Gewünschte gebracht wurde. Wir anderen aßen Nudelsuppe mit Reispapier, in das frische Kräuter eingewickelt wurden.

Nachmittags paddelten wir einige Zeit in Autoschläuchen im Pool umher, als es das erste Mal im Urlaub für eine halbe Stunde leicht zu nieseln anfing. Harry kaufte eine kleine Flasche Reisschnaps für 20.000 Dong, die wir unter den laubbewachsenen Sitzplätzen an der Seite des Pools leerten, während die Musiker wieder anfingen, mit großer Ausdauer und Begeisterung ihre eintönigen Lieder zu singen und spielen.

Abends hatten wir heute keine Lust mit dem Restaurantboot zu fahren und aßen im Restaurant am Fluss Frühlingsrollen, Schrimps und Fischsuppe. Ich hatte mir gebratenen Aal bestellt - es war das einzige Essen, welches mir in unserem Urlaub nicht geschmeckt hat.
Den etwas dünnen Fisch hatte man zu stark dem Feuer ausgesetzt, so dass eigentlich nur eine Mittelgräte mit sehr knuspriger, besser gesagt, verbrannter Umhüllung auf dem Teller lag, was mich allerdings nicht vom Essen abhielt.

Die jungen Angestellten im Village wirkten generell ein wenig umständlich, sie waren in ausreichender Anzahl vorhanden, standen sich aber meist gegenseitig im Weg und kicherten sich bei jedem unserer Wünsche fast kaputt. Auch wenn es nur etwas Zucker für den Tee oder Salz war.
Ein wenig erinnerten sie an die Jugendbrigaden, welche es früher in der DDR gab. Nett und freundlich waren sie jedoch.

Ungefähr 21.30 lagen wir im Bett, während wieder ein leichter Nieselregen angefangen hatte.