Mai Chau

Dienstag, 23.11.2004 » (Mai Chau - zu den Black Thai)

Nach dem Frühstück hatten wir noch ein wenig Zeit bis zur Weiterfahrt und schauten im neben dem Hotel aufgebauten Zelt vorbei, in welchem schon am gestrigen Nachmittag eine Hochzeit nach der anderen gefeiert wurde.
So ging es auch schon heute morgen weiter.

Die Bräute sahen sehr nett und niedlich aus, nur die männlichen Hälften der Brautpaare schauten meist etwas ängstlich aus dem Anzug.
Wir kennen nicht die vietnamesischen Hochzeitsbräuche, aber sie blickten so aus dem Anzug, als hätten sie vor irgend etwas mächtige Angst!

Neben dem Zelt wurden ovale Blumengebinde hergestellt, welche uns unterwegs schon mehrfach aufgefallen waren.
Unser Guide erklärte uns, dass dies Blumenschmuck für Gräber war und wohl einige Menschen im Ort gestorben sein mussten.

Pünktlich 8 Uhr verließen wir unser Hotel in Ninh Binh um uns die drei Pagoden anzusehen.
Diese sind an bzw. in einem Felsen gebaut und die untere ist im letzten Krieg sehr stark zerstört worden, so dass sie momentan mit großem Aufwand wieder restauriert wird.

Die Spenden dafür kommen aus dem Volk (nicht von den Amerikanern).
So waren im Vorhof einige Handwerker mit der Herstellung eines hölzernen Bauwerkes beschäftigt, in das nach seiner Fertigstellung die vielen Statuen und Buddhas, welche in einem Nebengebäude vor dem Wetter geschützt untergebracht waren, ihren Platz wiederfanden.

Beeindruckend war ein Gong, welcher aus einer Steinplatte bestand, und beim Anschlagen einen metallischen Klang von sich gab.

Die mittlere Pagode befand sich - was sehr selten sein soll - im Innern des Felsens und wir mussten unsere Taschenlampen zücken, um den Weg zum Altar zu finden.
Von der oberen Pagode hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Landschaft am Fuße des Berges.
In den Pagoden entzündeten wir je drei Räucherstäbchen, welche wir bei einer älteren Frau vor der Pagode gekauft hatten.

Da wir mit einer privaten Tour unterwegs waren, trafen wir keinen einzigen Touristen, waren also ganz allein dort und konnten so alles in Ruhe ansehen, was sehr angenehm war.

Die Trockene Halongbucht war unser nächster Haltepunkt.
Dort nahmen jeweils zwei Personen in einem kleinen Ruderboot Platz und wurden anschließend von zwei Vietnamesen (meist Frauen) durch die wirklich landschaftlich sehr eindrucksvolle von hohen Felsen eingefasste Bucht gerudert.

Das ganze hatte einen ziemlich touristischen Touch, da die Bucht aber sehr lang und eng ist, verloren sich die einzelnen Boote in der langen Bootskette, welche den Touristen die schöne Gegend zeigten.

Die langsame Fahrt dauerte insgesamt ca. zwei Stunden in denen drei Grotten durchfahren und unterwegs Kontakt von einigen schwimmenden Getränke- und Souvenirbooten zu uns aufgenommen wurde. Beeindruckend war, wie einige Frauen die Boote allein mit den Füßen ruderten.

Unsere zwei Paddeldamen öffneten dann ziemlich zum Schluss der Fahrt eine ominöse blecherne Kiste, welche auf keinem Boot fehlen durfte und zeigten uns in Handarbeit hergestellte Deckchen und gestickte Bilder mit der Bitte, einiges zu kaufen.

Ein kleines gesticktes Bild gefiel uns und wir kauften es für einen Dollar.
Am Ende der Fahrt bat man noch um einen "Tip" und so gaben wir unseren Ruderdamen, welche eine wirklich schwere Arbeit verrichtet hatten noch je einen Dollar Trinkgeld, welches sie schnell verschwinden ließen, dass es die am Ufer stehenden Bootseinweiser nicht mitbekamen.

Nach einem ausgezeichneten üppigen Essen im Restaurant gegenüber der Anlegestelle, das unter anderem aus Reispapierblättchen bestand, in welche man Fenchelblätter und Ziegenfleisch einrollten und dann in eine wohlschmeckende pikante Soße tunken musste, setzten wir unsere Fahrt zu den ethnischen Minderheiten fort.

Unterwegs ließen wir an einem Friedhof halten, in welchem gerade Kühe grasten und entdeckten unweit davon in zwei Wasserlöchern einige Leute, welche mit dem Suchen von Schnecken im Schlamm und dem Fangen von Fischen mit elektrischen Stromstößen beschäftigt waren.

Die Apparatur zum Fischen war dabei sehr abenteuerlich und fernab jeglicher VDE-Vorschriften.
Aber scheinbar funktionierte der Apparat - und wenn der Fischer richtig aufpasste - wurde er nicht selbst das Opfer seiner Fängerei.

Da sich in der Menschengruppe auch einige Kinder befanden, konnten wir wieder Geschenke (Kugelschreiber, Spielsachen, Kaugummis, ...) loswerden, welche wir in größeren Mengen mit uns führten und die rege Abnehmer fanden. schließend wurde dann immer noch untereinander getauscht.

Weitere spontane Haltepunkte in den Dörfern waren dann noch ein Bauer, welcher mit seinem Wasserbüffel auf recht primitive, aber überall übliche Art und Weise sein Feld pflügte und ein ausgezeichnetes Fotomotiv gab sowie zwei Schweine im Dorf Lam Hoa, welche zu ihrer vermutlich letzten Fahrt in einen eisernen Käfig auf ein Moped verfrachtet worden waren.

Ein drittes Schwein war entwischt, wurde erfolgreich eingefangen und an einem Stab gebunden wieder herbeigetragen.

Dass Tiere lebend auf Mopeds transportiert werden, hatten wir unterwegs beim Vorbeifahren aus dem Auto schon oft beobachtet, hier konnten wir alles in Ruhe beobachten und im Dorf gab es großen Spaß.

Die letzten 25 km konnten wir dann auf einer erst seit einem Monat fertiggestellten Bitumenstraße fahren, welche unter teilweise erheblichen Aufwand und mit viel TNT in den Felsen gesprengt worden war.

Die für die dortige Minderheit typischen Stelzenhäuser am Rande der Straße wurden immer zahlreicher und schließlich erreichen wir "unser" Stelzenhaus in dem wir die kommende Nacht verbringen durften.

Nach einem Willkommenstrunk nahmen wir unser neues Heim in Beschlag und richteten unsere Schlafstätte, welche aus sauber bezogenen Matratzen mit Kopfkissen und Decken bestand.
Auf jeden Fall hatten wir eine Menge Spaß und freuten uns schon auf die Tanzvorführungen der Dorfbewohner am Abend.

Steckdosen waren auch vorhanden, so dass wir unsere Akkus wieder flott machen konnten.
Nachdem die über unseren Betten angebrachte Leuchtstofflampe noch schnell repariert wurde, bekamen wir unser Abendessen in dort typischer Weise auf dem Fußboden sitzend serviert und konnten uns anschließend von der Funktion des unter dem Stelzenhaus eingebauten WC und Dusche (was unter den örtlichen Gegebenheiten schon erheblichen Luxus bedeutete) überzeugen.

Die Tanzvorführung, welche wir gemeinsam mit einem Ehepaar aus USA anschauten, fand im Haupthaus des Dorfes statt und war sehr interessant.

Am Ende durften wir beim Bambusstangen-Tanz unser Können beweisen, was darin bestand, zwischen den im Takt kraftvoll zusammen geschlagenen langen Bambusstangen hindurch zu tanzen ohne wunde Knöchel zu bekommen.

Wir meisterten diesen Tanz ausgezeichnet und wurden mit viel Beifall belohnt - und auch mit einem großen Krug Reisschnaps, in welchem mehrere lange dünne Bambusstangen als Trinkröhrchen steckten.
Wir ließen uns den Inhalt schmecken und nahmen den Krug, da er irgendwie nicht leer wurde, mit in unser Stelzenhaus, um dort weiter zu trinken und so die nötige Bettschwere zu bekommen, die nötig war, um auf den etwas harten Matratzen unter dem mittlerweile angebrachten Moskitonetz unseren Schlaf zu finden.

Mittwoch, 24.11.2004  » (Minderheitendorf - Staudamm - Zurück nach Hanoi)

Trotz der etwas harten Matratze haben wir im Stelzenhaus eine einigermaßen gute Nacht verbracht. Nach dem Frühstück unternahmen wir mit unserem Guide eine ausgedehnte Wanderung durch den Ort Mai Cau.
Der Morgendunst hatte sich verzogen und wir gingen vorbei an Reisfeldern in Richtung Markt, welcher heute am Mittwoch nicht ganz so groß war wie Sonntags, wo die Bevölkerung aus der Umgebung einkaufen kommen.
Leckere Seidenraupen Frisches Hundefleisch
Besonders interessant war das Angebot an Raupen, welche aus den Seidenkokons stammten sowie verschiedener Tiere unter anderem geschlachtete Hunde. Wir begegneten aus zwei Jägern, welche mit Ihren Vorderladern von der Vogeljagd kamen.

Auf dem weiteren Weg durch den Ort besuchten wir auf besonderen Wunsch von Bärbel - sie ist Ärztin - das dortige Dorf-Krankenhaus. Die Vietnamesen kennen keine Krankenversicherung und müssen so jede Behandlung bezahlen. Die Ausstattung der Krankenzimmer und des OP war ziemlich spartanisch, aber für vietnamesische dörfliche Verhältnisse sicher gut. Eine Ärztin brachte ein soeben geborenes Baby aus einem offenen Raum und die Ärzte saßen im Beratungsraum und amüsierten sich, als sie uns Fremdlinge vorbeigehen sahen.
Die Pumpe des Brunnens, welcher die Frischwasserversorgung des Krankenhauses garantierte, war am Morgen kaputt gegangen und man bemühte sich nun um die Reparatur.
Es war sehr beeindruckend oder besser bedrückend, mit welchen primitiven Mitteln und Geräten die ärztliche Versorgung geschah - ein Vergleich mit unseren Standards daheim viel schwer und Bärbel machte ein ziemlich entsetztes Gesicht.

Einige Meter weiter befand sich ein Kindergarten, dem wir natürlich ebenfalls einen Besuch abstatten wollten. Wir hatten nicht damit gerechnet und hatten unsere Spielsachen im Stelzenhaus gelassen. So kauften wir im nächsten kleinen Laden einige Pakete Kekse und verteilten diese in den einzelnen Kindergruppen, welche sich nach Alter getrennt in einzelnen Zimmern aufhielten.
Die Türen der Räume standen immer offen, so dass man einen schönen Einblick hatte. Die Kinder waren sehr niedlich und bedankten sich mit über der Brust gekreuzten Armen und eine flüchtigen Verbeugung.
Alle durften erst damit beginnen, ihren Keks zu essen, wenn alle einen bekommen hatten.

In Vietnam werden die Kinder ziemlich streng aber gerecht und solidaritätsbewusst erzogen, wovon wir uns im Kindergarten und auch bei späteren Besuchen von Grundschulen überzeugen konnten.
Ein wenig davon würde den Kindern in Deutschland sicher auch gut tun.

Da ich alle Hände voll mit Fotos schießen zu tun hatte, bemerkte ich nicht, wie ich beim Schritt nach hinten in eine größere Wasserschüssel trat und mir den gesamten Inhalt ans rechte Hosenbein und Sandale schwappte.

Den entsetzten Gesichtern der Erzieherinnen und dem Kommentar unseres Guides "Oh - a big accident" entnahm ich dann, das ich kein Wasser an mir hatte, sondern den gesammelten Morgenurin von über 50 Kindern. Ich trug es mit Fassung und konnte mir Hose und Sandale hinter der Baracke mit frischem Wasser spülen.
Die nachfolgende Wanderung in ein zweites Minderheitendorf war ebenfalls sehr interessant. Wir sahen uns die Webstühle an, die vor jedem Haus standen und mit denen die Leute ihre eigenen Kleidung herstellten.
Die alten Thai-Häuser hatten Dächer aus Stroh und Gras und mussten nach ca. 15 Jahren erneuert werden. Neuere Häuschen hatten schon Dachsteine.
Die hölzernen Balken und Bretter legt man zu besseren Haltbarkeit einige Monate in schlammiges Wasser.

Trockenes Reisstroh, was es durch die drei möglichen Ernten pro Jahr genug gibt, diente früher als Brennmaterial zum Kochen. Da man inzwischen Propangas besitzt wird das Stroh unter entsprechender Rauchentwicklung an den Feldrändern verbrannt.
Viele fleißige und freundliche Dorfbewohnerinnen begegneten uns - brachten Futter von den Feldern für die Tiere, wuschen am kleinen Rinnsal, das durch das Dorf floss ihre Wäsche, oder trugen Baumaterial heran.
Auf einem Friedhof sahen wir uns ein kleines Stelzenhäuschen an, in dem die Toten bestattet werden bevor man sie in der Erde beisetzt.
Nach vier Stunden kehrten wir 12 Uhr nach unserem sehr interessanten Streifzug in unser Stelzenhaus zum Mittagessen zurück.

Für die gestrige Tanzvorführung und die Getränke bezahlten wir 250.000 Dong und Harry kaufte sich ein von den Frauen selbst gewebtes Tuch für fünf Dollar bevor wir uns von den sehr netten und aufgeschlossenen Gastgeberinnen verabschiedeten und 13 Uhr ins Auto stiegen.
Wir waren froh, dass wir eine Privattour hierher unternommen hatten, denn in einer größeren Gruppe hätten wir vieles von dem, was wir unternommen hatten, nicht tun können.

Auf dem Rückweg nach Hanoi machten wir nach dem Auftanken des Autos (1 Liter Benzin kostet 75.000 Dong) noch einen Stopp im größten Wasserkraftwerk Vietnams, welches in einem russisch-vietnamesichen Gemeinschaftsprojekt 1994 nach 15jähriger Bauzeit fertiggestellt wurde.

Für die über 200 Bauarbeiter, welche dabei durch Unfälle ums Leben kamen (was bei den dortigen fehlenden Arbeitsschutzmaßnahmen nicht verwundert) hatte man ein großes Grabmal errichtet. Noch jetzt arbeiten und wohnen viele Russen am Kraftwerk.

Unser Guide berichtete voller Stolz, dass Ho Chi Minh bereits 10 Jahre vor dem Bau des Kraftwerkes in einem Brief, welchen man nach seinem Tode fand, von der idealen Eignung des Ortes für ein Wasserkraftwerk schrieb. Auf dem Berg gegenüber hat man ihn deshalb in einer riesigen Statue verewigt.

Am Straßenrand konnte man oft Ziegeleien entdecken, in welchen die Roh-Ziegel mit den Händen zu einer Art Turm aufgebaut wurden. In bestimmten Abständen setzte man Ziegel aus Kohle dazwischen. Nach dem in dem Turm eine bestimmte Zeit ein Feuer brannte, welches auch die Kohleziegel entzündete, wurden die Steine gebrannt und nach einer Abkühlungsphase wurde der Turm, wieder von Hand abgebaut - fertig waren gebrannte Ziegelsteine.

Gegen 17.00 Uhr erreichten wir wieder das Verkehrsgewühl von Hanoi und unser Guide schlug vor, uns nicht am Hotel abzusetzen, sondern an einer Gaststätte, wo ausschließlich dogmeat also Hundefleisch auf der Speisekarte stand. Er hatte uns am Vormittag, beim Besuch des Marktes gefragt, ob wir es mal probieren wollten - und wir sagten ja.

Etwas außerhalb, am Rande der Stadt, waren einige einfache Hunderestaurants nebeneinander und unser Guide managte für uns ein Menü aus verschiedenen Gerichten - allesamt aus Hundefleisch. Für uns wäre es schwierig geworden, denn man verstand nur vietnamesisch und auch die Speisekarten gab es nur in der Landessprache.

Das Restaurant bestand aus einem riesigen Raum, in dem man sich auf den mit Bambusmatten ausgelegten Boden setzen konnte. Die ausschließlich vietnamesischen Gäste musterten und gespannt. Nach etwa 10 Minuten brachte man das Menü, was aus Gulasch, gegrillten Fleischbällchen, gekochten und ziemlich fetten Fleischscheiben, Leber und mit Gemüse und Blut gefüllten Hundedärmen bestand.
So schmeckt also Hund Zusätzlich brachte man noch eine Schüssel Hundebouillon mit Bambusgemüse, Reisschnaps und einen Riesenteller mit Reiskeksen - in Öl gebackenen luftigen Reisfladen. Wir mussten beim Guide bisher einen mächtig verfressenen Eindruck gemacht haben, denn die Portionen hätten gut für 10 Personen gereicht.

Tapfer kosteten wir die einzelnen Gerichte. Die Leber und das Fleisch schmeckten mir am besten. Der Gulasch, die Bällchen und die Würste waren essbar, aber die Bouillon hat den anderen so grässlich geschmeckt, dass ich es vorzog, sie erst gar nicht zu probieren.
Nachdem unser Guide zufrieden war, dass wir das Mahl aßen, verabschiedete er sich von uns und besorgte noch ein Taxi, was uns nach dem Essen ins Hotel bringt.

Das einzige, was wir schafften, war der Reisschnaps - alles andere passte einfach nicht mehr in uns rein, einerseits waren wir satt und andererseits hatten wir bisher wohlschmeckendere Speisen vorgesetzt bekommen. Nachdem Harry einige Hundehaare in seinen Fleischbällchen fand und hinter der Bambuswand das Gebell und Gejaule eines Hundes zu hören war, bezahlten wir schleunigst die 144.000 Dong und stiegen in das vor der Tür wartende Taxi, um uns für 60.000 Dong ins Hotel bringen zu lassen, wo wir unser zurückgelassenes Gepäck und die gewaschene Wäsche vorfanden.

Den Großstadtlärm empfanden wir nach den herrlich ruhigen Tagen besonders störend und wünschten uns wieder zurück in unser Stelzenhaus.
Am Abend werteten wir das Erlebte im Hotelzimmer aus und probierten den Reisschnaps aus der Plastikflasche, die uns der Fahrer beim Abschied geschenkt hatte - er räumte mit seinen mindestens 60 Prozent unseren Magen auf.

Am nächsten Tag war unser Aufenthalt in Nordvietnam zu Ende und wir freuten uns auf den Flug nach Ho Chi Minh City die jeder noch Saigon nennt.