1. April 2016 - Im Omo Nationalpark

Heute startete der Jeep-Konvoi um 7.30 Uhr, um das Volk der Dassanech zu besuchen. Nach 90 Minuten Pistenfahrt erreichten wir ein ausgetrocknetes Flussbett in dem ein Mann aus einem zwei Meter tiefen Loch mit Hilfe eines Plastikkanisters etwas spärliches Grundwasser für seine Viehherde schöpft. Ich bezahlte ihn für das Foto, was leider andere Reiseteilnehmer nicht taten und somit seinen Ärger erregten. Diese Verhaltensweise einiger Mitreisenden hat uns auf der Reise immer sehr geärgert und beschämt.

Besuch im Dorf der Dassanech

Gegen 10.30 Uhr erreichten unsere Jeeps dann nach einer holprigen Fahrt über unwegsame Sandpisten das Dorf der Dassanech. Auch sie leben hauptsächlich von der Rinderhaltung, dem Getreideanbau und der Fischerei. Die Frauen schmücken sich mit zahlreichen Perlenketten und ihre ärmlichen Hütten werden aus Ästen und Gras gebaut.

Die Essensvorräte werden in kleinen Hütten auf Pfosten gelagert, damit keine Tiere daran gelangen können. Wir besichtigten das kleine Dorf, machten zahlreiche Fotos (gegen die übliche Bezahlung) und verabschiedeten uns nach einer Stunde von den etwas schüchternen Dassanech, um dann zwei Stunden später ein Dorf der Kara zu erreichen.

Bei den Kara (Karo)

Das Dorf der Kara, die auch oft als Karo bezeichnet werden, erreichten wir kurz vor 14 Uhr.
Sie leben hier als relative kleine Volksgruppe am Omo-River ziemlich abgeschieden und in ihren alten Traditionen verwurzelt, wenn man mal von den Kalaschnikows absieht. Sie bemalen sich mit verschiedenen Mustern aus Asche, Kreise und Lehm und verzieren die Körper mit Schmucknarben. Auch tragen sie Ziegenfelle, die mit Kaurimuscheln bestickt sind.
In der Unterlippe tragen viele Frauen einen Nagel, dieser wird beim Waschen der Kinder einfach herausgezogen und durch das Loch ein feiner Strahl Wasser ausgepustet, dass man vorher in den Mund gefüllt hat.

Ein großes Problem für die Völker am Omo-River ist die weitere Errichtung von Staudämmen. Dadurch verändern sich die Wassermengen und Überschwemmungen und viele heute genutzte Anbauflächen werden austrocknen. Proteste aus allen Teilen der Welt, können leider die Regierung nicht davon abhalten und die heutige Lebensweise der Völker ist sehr gefährdet.

Leider blieben wir auch hier nur eine Stunde und verabschiedeten uns von den freundlichen Dorfbewohnern voller schöner Eindrücke und Fotos. Danach fuhren wir die weite Strecke zurück zur Lodge, um unser heute etwas spätes Mittagessen einzunehmen.

Beim Volk der Hamer

Wer Lust hatte, konnte am Nachmittag noch dem Volk der Hamer  - auch oft Hamar genannt - einen Besuch abstatten. Für uns bestand daran gar kein Zweifel! Einigen aus der Gruppe hatte die heutige Hitze sehr zu schaffen gemacht und so zogen sie es vor, in der Lodge zu bleiben.
Gegen 17 Uhr erreichten wir wieder nach einer längeren Sandpistenfahrt das Hamer-Dorf, deren Bewohner uns mit ihrer stolzen aber freundlichen Art sehr gefallen haben. Sie leben auch hauptsächlich von den Rinder- und Ziegenherden sowie vom Hirseanbau, daraus stellen sie auch ein bierähnliches Getränk her.

Sehr auffallend waren die mit Kaurimuscheln verzierten Ziegenfelle sowie die Ringe um des Hals der Frauen. Wie auch bei den anderen Völkern sind die Aufgaben von Mann und Frau genau getrennt. Männer trafen wir auch hier fast nicht, da diese sich schon am Morgen mit ihren Herden auf Futtersuche begeben und auch Honig sammeln.
Dafür sind die Aufgaben der Frauen Kinderhüten, Kochen, Holzsammeln und Wasserholen. Das ist sicher der Hauptanteil an der Arbeit, wenn man bedenkt, dass sie zusätzlich noch die Felder bestellen und die Waren auf den Märkten verkaufen.

Besonders typisch ist die Frisur der Frauen. Das Haar wird mit einem Mix aus Butter und rotem Ton eingerieben und zu kleinen Zöpfchen geformt. Vor einer Hütte konnten wir zwei Frauen beim Frisieren zusehen.

Beeindruckend waren auch die Metallringe an ihren Hälsen, deren Anzahl und Form eine Bedeutung hat. Die Hauptfrau trägt einen Ring mit einem Zapfen, Frauen mit zwei Ringen ohne Zapfen sind dagegen Zweitfrauen eines Mannes.Einige ältere Frauen trugen auch schwere Metallringe an den Beingelenken, was vermutlich etwas mit Stammesältesten oder Medizinfrauen zu tun haben kann.
Wir blieben hier bis 18 Uhr und der Abschied von den hübschen und sehr netten Menschen viel uns nicht leicht.

Zurück in der Lodge waren wir voller Eindrücke von diesem wohl erlebnisreichsten Tag der gesamten Reise. Erst zu Hause beim Betrachten und Sortieren der Bilder kann man das Erlebte so richtig begreifen und schätzen.
Nach dem Abendessen saßen wir noch eine Weile mit anderen im Garten und werteten den Tag aus, denn zum Schlafen war es noch zu warm.