Fahrt nach Gobabis

Samstag, 29.10.05

Um 5 Uhr Aufstehen bei Regen - nasse Zelte zusammenpacken - 6 Uhr Frühstück im Bus - 7 Uhr Abfahrt.
Nach etwa 20 Minuten bemerkte Mark, unser sehr hilfsbereiter holländischer Teilnehmer, dass ihm seine rote Gürteltasche mit Geld und Pässen fehlte. Nachdem all seine Taschen und Rucksäcke erfolglos durchsucht waren, blieb als letzte Hoffnung nur noch das Zelt übrig, was wegen des Regens eilig zusammengepackt worden war. Also: Zelt vom Dach - mitten auf der Straße aufgebaut - durchs Fenster schimmerte schon etwas Rotes - Jubelgeschrei - Tasche war wieder da! - Zelt zusammengebaut - wieder aufs Dach - und weiter ging es. Uns fiel allen ein Stein vom Herzen, denn wir hatten ja noch einige Grenzkontrollen vor uns.

Die Landschaft, durch die wir fuhren, wirkte mit ihren endlosen Gras-Savannen, Akazienbüsche und Kameldornbäumen sehr monoton und es war eine der langweiligsten Strecken. Gegen Mittag erreichten wir dann Gobabis, das rund 200 Kilometer östlich von Windhoek am Rande der Kalahari liegt und Zentrum der Omaheke Region ist - einem traditionellen Siedlungsgebiet der Herero. Der Großteil des Landes wird von großen Farmen genutzt, die hier Rinderzucht betreiben und Gobabis dient mit seinen etwa 12.000 Einwohnern hauptsächlich der Versorgung der umliegenden Farmen. Wir bekamen eine halbe Stunde Zeit zum Shoppen, da auch Allan seine Speisevorräte auffrischen musste. Wir kauften uns in dem dortigen großen Supermarkt, der bereits weihnachtlich geschmückt war, einige Plastikflaschen mit Trinkyoghurt und leerten diese im Freien vor dem Markt neben unserem Truck, wo wir Kontakt zu einigen Einheimischen hatten. Besonders reizend fanden wir eine Frau mit ihren kleinen Mädchen. Als ich meine leere Yoghurtflasche in einen Abfallkorb entsorgte, sprang kurz darauf ein kleiner Junge hinein, hatte sie beim Herausklettern in der Hand und nahm sie mit sich. Wir sahen dann, wie er die Flasche zum Verschluss hin kräftig schüttelte, dann den Deckel abschraubte und die zusammengelaufenen Reste ausschlürfte. In solchen Momenten wird einem schon etwas beklommen ums Herz.

Nachdem uns Adam wieder sicher auf die Landstraße gebracht hatte, hielten wir um 13.15 Uhr an der Straße zum Lunch mit Nudelsalat. Es war noch immer bewölkt aber regnete nicht mehr. Gegen 15 Uhr erreichten wir unser heutiges Tagesziel - "Zeldas Wildtier-Farm" - eine sehr schöne private Farm im Kolonialstil mit großflächigen Wildtiergehegen. Nach dem wir mit unseren Zelten Stellung bezogen hatten, schauten wir uns die Tiere an. Einen Leoparden, drei Geparden, zwei Dromedare, viele Ziegen und Antilopen, eine männliche Meerkatze mit prachtvoll gefärbtem Gehänge und so manch anderes Kleingetier wie Tauben, Kaninchen und Hühner. An der sehr gemütlichen Bar schlürften wir danach zwei doppelte Amarula für je 14 Rand.
In dieser Farm wären wir sehr gern länger geblieben, denn es gab einen schönen Pool, sehr saubere Sanitäranlagen, einen Grillplatz mit Steckdose und Wasserhahn und der nette Barkeeper sprach unter anderem auch deutsch.

Man lud uns um 18 Uhr zur täglichen Fütterung der Wildtiere ein, was wir uns natürlich nicht zweimal sagen ließen. Die Kamele durften wir auch selbst füttern, zu den Geparden stieg der Tierpfleger ins Gehege, um sie mit Fleischbrocken zu füttern. Es war unglaublich, mit welcher Geschwindigkeit und Gewandtheit die Katzen ihm das Fleisch aus der Hand rissen und sich damit etwa zehn Meter weiter in Sicherheit brachten (wer sich wohl vor wem fürchten muss?). Hoffentlich begegnet uns im Bushcamp keine Wildkatze. Zur Leopardin durfte der Pfleger nicht ins Gehege, da diese gerade rollig war und damit sehr unberechenbar - nur einige Streicheleinheiten durchs Gitter wurden von ihm riskiert. Wir erfuhren, dass wir einem Leoparden in freier Wildbahn niemals direkt in die Augen sehen dürfen, denn dann springt er einen ohne Vorwarnung an. Also immer schön zur Seite schauen, wenn einer kommt - wie beruhigend!!!
Um 19 Uhr wurden wir von Allan gefüttert und gingen auch bald darauf Schlafen, da es am nächsten Morgen bereits wieder um 6.30 Uhr Frühstück geben sollte. Nachts wurde ich vom Regen geweckt und holte die Handtücher rein, die ich zum Trocknen auf die Leine zwischen Zelt und Baum gehängt hatte.