Cu Chi Tunnel

Tagestour zu Cu Chi Tunnel und Cao Dai Sekte
Samstag, 27.11.2004

Für heute hatten wir die Tour zu den Cu Chi Tunneln und dem Cao Dai Tempel gebucht.

Nachdem wir uns an einem Straßenstand vor dem Hotel mit Baguette und Streichkäse versorgt hatten und beides gegenüber im Park herunterwürgten (eine Gaststätte hatte leider vor 7 Uhr noch nicht geöffnet) fuhren wir mit dem Kleinbus und einem netten Guide, der leider ein etwas undeutliches Englisch sprach, in Richtung Cu Chi, wo wir gegen 9 Uhr ankamen - zeitig genug, um von den später eintreffenden Touristenmassen verschont zu bleiben.

Für die an der Kasse gekauften Tickets für 65.000 Dong pro Person wurde uns in einem kleinen Kinoraum ein deutschsprachiges sehr propagandistisch angehauchtes Video über den im Vietnamkrieg dort tobenden Vietkong-Widerstandskampf gezeigt.

Der Player wollte erst nicht so richtig, und so nahm die Vorführerin das Gehäuseblech ab und wischte mit einer Art Scheuerlappen über den Videokopf und die anderen hochempfindlichen Innereien, dass ich schon dachte, danach wäre das Gerät zu nichts mehr zu gebrauchen, womit ich natürlich die vietnamesischen Reparaturkünste völlig unterschätzt hatte.

Wegen seiner strategisch günstigen Lage war Cu Chi während des Vietnamkrieges ein wichtiger Stützpunkt. Der Vietcong baute hier ein unterirdisches fast 200 km langes Tunnelsystem mit Kommandoständen, Schutzräumen, Krankenhäusern und Waffenfabriken.

In den unterirdischen Tunnelanlagen, welche auf Grund der kleinwüchsigen Vietnamesen so eng gebaut waren, dass kein Amerikaner jemals hineinkam und durch die Guerillataktiken des Vietkong haben es die Amis hier nie geschafft, einen Sieg zu erringen.

Nach 20 Minuten Video überquerten wir die Straße und wurden auf Trampelpfaden in das ehemaligen Kampfgebiet geführt, um uns eine Einstiegsluke sowie verschiedene einfach konstruierte, aber sehr wirkungsvolle Fallen anzuschauen, welche von den vietnamesischen Führern stolz vorgeführt wurden.

Die Krönung war dann die Durchquerung eines ca. 40 Meter langen Tunnels, welcher extra für Europäer im Durchmesser erweitert, aber trotzdem noch so eng war, dass es nur unsere Frauen probierten. Nach einigen Minuten kamen Monika und Bärbel, mit etwas vor Anstrengung weichen Knien über eine Leiter aus einem Schacht wieder ans Tageslicht.

Harry und ich kamen zu der Überzeugung, dass wir es richtig gemacht hatten zu kneifen, denn ich hatte mich erst zwei Tage vorher verhoben und noch immer darunter zu leiden und Harry ist auch nicht gerade der geborene Maulwurf.

Auf dem weiteren Weg zeigte man uns dann noch, wie Reispapier hergestellt wird, Sandalen aus Autoreifen gemacht werden und wie eine unterirdische Küche nebst unauffällig nach außen geleitetem Rauch aufgebaut ist.
Es war ein interessanter aber auch etwas deprimierender Rundgang durch einen Teil vietnamesischer Geschichte.

Unser Guide drängte uns etwas wegen der fortgeschrittenen Zeit, da das nächste Ziel der Cao Dai Tempel war, wo wir die tägliche farbenprächtige Mittagsmesse anschauen wollten.

Aber bereits nach ca. 75 Minuten standen wir dann vor dem prächtigen Tempel und hatten noch eine gute halbe Stunde Zeit bis zur Zwölf-Uhr-Messe, welche dann auch pünktlich begann und eine Stunde lang ein beeindruckendes und äußerst farbenfrohes Schauspiel und natürlich jede Menge Fotomotive bot.

Der Cao Dai Großtempel innerhalb des heiligen Stuhls der Sekte ist eines der verblüffendsten Bauwerke in ganz Asien, wurde zwischen 1933 und 1955 gebaut und ist der Hauptsitz der Cao Dai Sekte, eine der farbenprächtigsten Religionsgemeinschaften Vietnams.
Diese Mischreligion mit christlichen, buddhistischen, moslemischen und europäisch-humanistischen Elementen hat in Vietnam über eine Million Anhänger. Unser Mittag nahmen wir im örtlichen Restaurant COM THU THAO ein, wo wir auch ordentliche Toiletten vorfanden.

Da wir privat unterwegs waren, handelten wir mit unserem Guide noch einen Besuch des "Berges der schwarzen Frau" aus, welcher fast auf der Strecke lag und in einem Reisebericht als sehenswert beschrieben war.

Nach einer Viertelstunde waren wir da und erreichten nach einem längeren Fußmarsch - da Autos auf dem Parkplatz warten mussten und unser Guide auch zum ersten mal dort war - die Talstation der Seilbahn, welche jeden von uns für 45.000 Dong zur Pagode auf den Berg beförderte.
Die Fahrt dauerte fast 15 Minuten und bot eine schöne Aussicht auf die Landschaft und die hier neu entstehende supermoderne Freizeitanlage mit diversen Vergnügungsmöglichkeiten.

Oben angekommen besichtigten wir den Pagodenkomplex in 300 m Meereshöhe auf dem Berghang und wurden von den vielen Einheimischen begrüßt und bestaunt, da Touristen hier wohl (noch) sehr selten zu sehen sind.
Da wir nicht viel Zeit hatten, denn unser Fahrer musste ja einigermaßen pünktlich zurück in Saigon sein, wollten wir nach 20 Minuten wieder mit der Seilbahn bergab fahren.
Diese bewegte sich aber momentan keinen Millimeter und man gab uns durch Handzeichen und Worte, die wir natürlich nicht verstanden, zu verstehen, dass wir einen Weg nach unten nehmen sollten.

Nachdem wir zuerst dachten, wir müssten nun den langen Weg abwärts laufen, kamen wir nach einigen Minuten am Startpunkt der superlangen Rutsche (bei uns nennt man das "Sommerrodelbahn") an, welche wir schon beim Hochfahren bemerkt hatten. Das war natürlich eine große Überraschung und so fuhren bzw. rutschten wir in den für Europäer etwas zu klein ausgefallenen Sitzschalen den hohen Berg hinab.

Wir wissen bis heute nicht, ob wir das dem kurzzeitigen Stillstand der Seilbahn oder dem Touristenstatus zu verdanken hatten, denn auf unserer Hochfahrt waren die nach unten fahrenden Gondeln alle mit Einheimischen besetzt.

Unser Auto erreichten wir mit einer Minibahn für 2.000 Dong/Person, die im Park pendeltet, die wir aber auf dem Hinweg nicht gesehen hatten.

Nach zweistündiger Rückfahrt erreichten wir dann gegen 17.30 Uhr Saigon wo wir uns vom Guide und Fahrer mit einem Trinkgeld für die Extratour verabschiedeten. Da wir am nächsten Morgen zeitig mit dem Bus nach Mui Ne fahren wollten, tauschten wir nochmals Geld, bezahlten unsere Hotelrechnung ( 67 Dollar für zwei Nächte inklusive Wäsche) und fuhren mit dem Taxi zum Steamboat-Abend ins REX-Hotel.

Dort hatten wir einen sehr schönen kulinarischen Abend, der auch wieder von einem heftigen Gewitterguss unterbrochen wurde. Da wir diesmal unter freiem Himmel saßen, mussten wir uns flink einen neuen Platz unter der Glaskuppel suchen. Ein Problem, welches vom Personal und dem mithelfenden Hotelmanager (der uns überraschenderweise auf Deutsch fragte: "Wie viele Plätze braucht Ihr denn?") schnell gelöst wurde.

Vor dem Hotel bot uns ein Taxifahrer sein etwas klappriges Gefährt an, wollte aber zwei Dollar pro Person haben, worauf wir sofort ausstiegen und ein neueres für 18.000 Dong bestiegen, welches uns 22.30 Uhr vor unserem Hotel absetzte.