28. März 2016 - Unterwegs in den Süden Äthiopiens

Endlich begann die Tour in den Süden Äthiopiens, wegen welcher wir hauptsächlich die Reise gebucht hatten.
Der größte Teil unserer bisherigen Gruppe war entweder nach Hause oder nach Sansibar geflogen. Dafür schlossen sich andere Teilnehmer an.

Um 7.30 Uhr verließen wir Addis Abeba aufgeteilt auf sieben Jeeps in südlicher Richtung. Vom Busfahrer hatten wir uns am Vorabend verabschiedet und er schenkte Monika ein kleines Häuschen und mir ein Metallkreuz als Kettenanhänger, worüber wir uns sehr freuten.
Zum Glück war auch auf dieser Route der Sven wieder unser Reiseleiter, was sich besonders positiv erwies, da er einige einheimischen Sprachen beherrscht und so leicht Kontakt zur Bevölkerung bekam.

Den ersten Stopp legten wir nach ca. 100 km um 10 Uhr in der Nähe von Tiya ein. Hier befindet sich eine archäologische Stätte mit 36 steinernen Stelen, von denen die meisten mit Symbolen einer alten äthiopischen Kultur bedeckt sind, welche allerdings bis heute nicht gedeutet werden konnten.

Eine Stunde später durften wir das Haus einer siltischen Familie besichtigen. Sie sind eine kleine Volksgruppe südlich von Addis Abeba und bauen runde Lehmhäuser mit großen Strohdächern und markant bemalten Mustern an den äußeren Wänden. Hier verschenkte ich unter anderem wieder Fußballbilder und erstaunlicherweise kannten die jungen Männer fast jeden Spieler mit Namen.

Die Mittagspause wurde heute erst 14 Uhr in einem Restaurant namens "Day Star Café" gemacht. Wir konnten im Freien sitzen und es gab Spaghetti mit Hähnchenfleisch. Danach fuhren wir weiter durch eine fruchtbare Gegend mit endlosen Bananen- und Mangoplantagen. Gegen 17 Uhr erreichten unsere Jeeps dann das Ziel der heutigen Tour - das "Swaynes Hotel" in Arbaminch. Dort bezogen wir im sehr schönen grünen Garten einen geräumigen Bungalow mit Terrasse und erholten uns von der langen Fahrt. Überall im Garten konnten wir Webervögel mit ihren kunstvollen Nester aus Gras beobachten. Es waren auch einige Warzenschweine und Affen zu sehen.

Das Abendessen war sehr gut und die Aussicht von der Terrasse ebenfalls. Heute brauchten wir nicht so zeitig Schlafen zu gehen, denn morgen begann die Fahrt erst um 8.15 Uhr, was gegenüber den Tagen im Norden eher spät war.

29. März 2016 - Fahrt zum Nechisar Nationalpark

Heute Morgen brauchten wir mal keine Reisetaschen zu packen, da wir die nächste Nacht auch noch in Arbaminch verbringen würden. Nach dem Frühstück brachten uns die Jeeps zum Chamo-See. Hier kletterten wir über sehr primitive Stege aus wackeligen Brettern in zwei Boote und erreichten nach einer angenehmen Bootsfahrt den Nechsar Nationalpark.
Der größte Teil der Gruppe nahm hier an einer Wanderung teil, einige relaxten auch am schattigen Ufer, bis wir zurückkamen. Auf der Wanderung in der prallen Sonne wurden wir von einem bewaffneten Ranger begleitet und konnten auf der Hochebene eine Zebraherde und einige Antilopen erspähen. Auch eine typische Grabstätte, die mit verschiedenfarbigen Steinen erbaut war sowie einige Tierskelette sahen wir unterwegs.

Nach der zweistündigen Wanderung kletterten wir wieder in die Boote, verspeisten den Inhalt unserer Lunchpakete und fuhren zurück. Unterwegs beobachteten wir einige Wasservögel, Flusspferde und Weißkopfadler. Auch ein Mann auf einem Papyrusboot kreuzte unseren Wasserweg.

16.30 Uhr waren wir zurück im Hotel und konnten uns bis zum Abendessen in der grünen Anlage des Hotels ausruhen.

Nach dem Abendessen wurden wir von unserem Reiseleiter über das Verhalten an den folgenden Tagen belehrt. Wir befanden uns ab dem nächsten Tag im Süd-Omo-Gebiet.
Diese Gegend ist schon seit hunderten von Jahren die Heimat mehrerer indigener Volksstämme, die dort in sehr großer Einfachheit und nahezu unberührt von modernen Einflüssen leben.
Es sind hauptsächlich Rinder-Nomaden. Diese Rinder sind ihr einziges Besitztum und die Tiere gehören zur Familie.

Einige Völker haben ihre Körper mit Schmucknarben verziert, was nicht allein zur Zierde dient sondern auch die Abwehrkräfte des Körpers stärkt. Als Körperschmuck dient oft alles, was irgendwie greifbar ist. Bei einigen Völkern tragen die Frauen auch Tonteller in der aufgeschlitzten Unterlippe.

Es herrscht weitgehend eine Familien-Hierarchie und die Ältesten bestimmen im Wesentlichen die wichtigen Entscheidungen.
Wir wurden darauf Aufmerksam gemacht, dass die Touristen mittlerweile für Fotos von Personen Geld bezahlen müssen und zwar für jede Person separat. Eine Frau mit einem Kind auf dem Arm bedeutet also den doppelten Preis.

Verletzt man diese Regeln, kann das böse Auswirkungen haben, Steinwürfe sind da noch das Mildeste.
Da seit einigen Jahren aus dem benachbarten Sudan auch Waffen in das Oma-Gebiet geliefert wurden, besitzen auch viele Männer russische Kalaschnikows.
Es hieß also ab morgen aufpassen und die Regeln befolgen, sowie nett sein.

Wir hatten uns schon in Deutschland darüber belesen und wussten, wie wir uns zu verhalten haben. Es gab in den Folgetagen auch keine Probleme und wir hatten oft eine Menge Spaß mit den Frauen.

Die Fotos gegen Geld sind allerdings umstritten, da viele Touristen oft nur einige Fotos machen, bezahlen und dann weiter fahren. Allerdings dienen die erzielten Einnahmen den Völkern auch dazu Nahrung für sich und das Vieh auf den Märkten zu kaufen. Das mittlerweile auch Alkohol davon gekauft wird, liegt mehr an der schlechten Behandlung der Völker durch den Äthiopischen Staat und die damit zunehmende Unzufriedenheit.